Ein ganzes Dorf spielt Stille Post

17 Mai

Saftige grüne Wiesen, lauschige Wäldchen und kleine Berge. So sieht mein Heimatort aus. Die pure Idylle. Jeder hat sein eigenes Gärtchen mit stets perfekt gemähtem Rasen und samstags trifft man sich beim Straße kehren. Gääähn. Da passiert doch nie im Leben was. Sollte man meinen. Aber Insider wissen: Das Leben auf dem Dorf ist besser als jede Daily Soap. Liebe, Intrigen und vor allem Tratsch. All das findet man auf den Dörfern Deutschlands.
Heute möchte ich von einem ganz besonderen Phänomen dörfischen Zusammenlebens erzählen. Die Verbreitung der neusten Nachrichten auf Basis des Stille Post Spiels. Jeder kennt dieses Spiel wohl aus seiner Kindheit. Paulchen denkt sich einen Satz aus und flüstert Tina dann „Paul hat einen großen Pool“ ins Ohr. Die gibt die Nachricht dann weiter. Klein Erna versteht aufgrund der undeutlichen Aussprache von Normen allerdings nur noch die Hälfte. Sie denkt sich das kann doch nicht sein und dichtet ihren eigenen Teil dazu. Am Ende der Informationskette darf Torben dann verkünden: „Peter ist ganz schön schwul“. Soviel also zum Prinzip. Nun zur Wirklichkeit. Es ist Samstag. Wie immer kehrt Herr M. seine Straße und trifft dabei auf seine Nachbarin Frau E. Beide halten ein kurzes Pläuschen. Bei dem bemerkt Herr M. er fühle sich heute ein bisschen schlapp. Soweit so gut. Ein Tag vergeht, ohne das etwas besonderes passiert. Am Montagmorgen bemerkt Frau E. schliesslich, dass die Rollläden von Herr M., entgegen seiner Gewohnheiten, immernoch geschlossen sind. Sie vermutet er sei krank und erzählt das auch fleißig am Bäckerwagen. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht über die Erkrankung des Herr M. mit den Frühstücksbrötchen über das ganze Dorf. In der Dorfmitte ist es dann schon soweit, dass Herr M. sich im Krankenhaus befindet. Der Tratschtante des Dorfes Frau F. ist die Nachricht allerdings nicht spektakulär genug. Sie fügt ein paar Details, wie Wiederbelebungsversuche und Intensivstation hinzu. Als Herr M. dann gegen zehn Uhr seine Rollläden hochzieht um seinen freien Tag zu genießen, hört sein guter Freund Herr K., der am anderen Ende des Dorfes wohnt, gerade die Nachricht vom plötzlichen Tod seines Freundes. Die restlichen Tage seines Urlaubs verbringt Herr M. nun damit Anrufe entgegen zu nehmen und zu versichern, dass er vollkommen gesund sei. Und die Moral von der Geschicht: Langweilig wirds auf dem Dorf nicht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: