Der Hahn ist tot

19 Feb

Seit Wochen werden die braven Einwohner meines Heimatortes um den Schlaf gebracht. Die Nerven liegen blank. Die Emotionen kochen hoch. Selbst Tränen sind schon geflossen. Der Grund: Hähne terrorisieren mit ihrem beständigen Krähen nachts die Nachbarschaft. Die einfachste Lösung wäre nun, mit dem Besitzer der krächzenden Tierchen ein Hühnchen zu rupfen. Im Sinne von man könnte ja mal drüber reden. Nicht so auf dem Dorf. Schließlich ist das Misstrauen gegenüber den Zugezogenen aus Kasachstan groß. Da hört man Sätze wie: „Der kann ja eh nicht richtig deutsch.“ Und um es einfacher zu gestalten, macht sich die Nachbarin mit dem schwachen Nervenkostüm – schließlich hat sie wegen der Hähne wochenlang nicht schlafen können – auf den Weg durch die Nachbarschaft. Mit im Gepäck eine Liste – auf der sorgfältig notiert ist, wann welcher Hahn wie lange gekräht hat – ist sie auf der Suche nach Mitstreitern. Und tatsächlich finden sich prompt einige solidarische Nachbarn, die selbst unter den Gockeln leiden. Es wird fleißig unterschrieben und die Liste ans Ordnungsamt geschickt.

Das Ende vom Lied: Die Hähne müssen weg. „Das wollte man ja so auch nicht“, heißt es dann. Es hätte doch gereicht, die Tiere nachts einzuschließen. Nun ist das Steinchen einmal ins Rollen geraten und nicht mehr aufzuhalten. Ein Gespräch hätte in diesem Fall wohl beiden Seiten mehr gebracht.

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